Blogbeitrag: Wie ein Leitsystem entsteht

Wie ein Leitsystem entsteht

Leitsysteme sind wichtige Bestandteile der Kommunikation im Raum und schaffen Orientierung. Solange sie funktionieren, sind sie dabei oft gar nicht wahrnehmbar. Als Teil der Identität eines Gebäudes wirken sie nicht nur auf der Informationsebene, sondern steigern auch die Aufenthaltsqualität. Aber wie entsteht eigentlich ein Leitsystem, wo beginnt es und was braucht es alles dafür?

Welche Aufgaben hat ein Leitsystem?

Sie begegnen uns in Form von Wegweisern, Icons und Beschilderungen, heißen uns willkommen, führen uns von A nach B und bringen uns sicher ans Ziel. Vereinfacht gesagt erfüllen Leitsystem drei grundlegende Funktionen:

Leiten, bestätigen, orientieren

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Leiten: Wo muss ich hin?
Schilder mit Pfeilen, Ebenen­bezeichnungen, Boden­leit­systeme und Beschil­derungen entlang des Weges weisen die Route zum Zielort.

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Bestätigen: Bin ich hier richtig?
Türschilder, Namensschilder und Piktogramme dienen der Kennzeichnung von Zielen.

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Orientieren: Wo bin ich?
Karten, Etagenpläne, digitale Übersichten, taktile Modelle und Übersichtstafeln verschaffen einen Überblick und zeigen den aktuellen Standort an.

Orientierung und Sicherheit schaffen

Neben Orientierung schaffen Leitsysteme aber vor allem auch Sicherheit, tragen zum Wohlbefinden bei und schonen Zeit und Ressourcen von MitarbeiterInnen, wenn nicht ständig nach dem Weg gefragt werden muss. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Angenommen, ein Krankenhaus betreut 90.000 PatientInnen pro Jahr. Bei 30 Sekunden pro Person, die MitarbeiterInnen nach dem Weg fragt, summiert sich das aufs Jahr gesehen bereits auf 750 Stunden.

Im Idealfall führt ein Leitsystem den Markenauftritt einer Einrichtung konsequent gestalterisch im Raum weiter. Markenbotschaften können gezielt – aber auch subtil – im Raum integriert werden, das Image erhält dadurch eine Stärkung und mehr Sichtbarkeit.

Leitsysteme tragen wesentlich zu einem sicheren Zurechtfinden in Gebäuden bei. Bei der Konzeption und Umsetzung hat die Einhaltung der Ö-Norm daher oberste Priorität. Sicherheitsfolierungen vermeiden beispielsweise, dass großflächige Glasscheiben übersehen werden, taktile Elemente und akustische Signale bieten multisensorische Anhaltspunkte im Raum. Angemessene Schriftgrößen, leicht unterscheidbare Farben und ausreichend Kontraste kommen den Bedürfnissen von älteren Menschen oder Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen ebenfalls entgegen.

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Wo beginnt ein Leitsystem?

Bevor eine Person ein Areal oder Gebäude betritt, durchläuft sie in der Regel bereits mehrere Informationsebenen. Denn die Kommunikation beginnt bestenfalls schon weit vor dem Gebäude bei den KundInnen, KlientInnen und PatientInnen zuhause: Eine übersichtliche Website mit Lageplan, Wegbeschreibungen per E-Mail und Infomaterial sorgen für eine erste Übersicht und schaffen Klarheit.

Nach Ankunft am Parkplatz oder an der Haltestelle für öffentliche Verkehrsmittel führen Wegweiser sowie Straßen- und Außenbeschilderungen auf das Gelände. Weiter geht es dann zum Eingang und – wenn vorhanden – Empfang des Gebäudes. Bei mehreren Eingängen sollte klar ersichtlich sein, welcher der jeweils richtige ist. Vom Eingangsbereich führt das Leitsystem weiter in den richtigen Gebäudetrakt, die richtige Etage, bis sich die Person letztendlich vor dem richtigen Zielort einfindet.

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Wer nutzt das Leitsystem?

Am Wichtigsten für die Gestaltung eines Leitsystems ist die Frage nach der Zielgruppe: Wer hält sich im Gebäude auf? Sind es PatientInnen, BesucherInnen, MitarbeiterInnen, LieferantInnen? Wie viele Personen befinden sich gleichzeitig am selben Ort? Wie viele Personen werden täglich erwartet? Es macht außerdem einen Unterschied, ob die Personen einmalig kommt oder ob es wiederkehrende BesucherInnen gibt. 

Auch wenn verschiedene BesucherInnengruppen eine Einrichtung aufsuchen, wird für die Umsetzung des Leitsystems in der Regel eine Hauptzielgruppe priorisiert. Ein Leitsystem für ein Krankenhaus muss man anders denken als für ein Bürogebäude, eine Veranstaltungs-Location oder ein Wellness-Spa – allein schon aufgrund des jeweils unterschiedlichen Gemütszustands der Personen.

Besonders in Krankenhäusern oder sozialen Einrichtungen sind die ankommenden Personen einer besonderen emotionalen Situation ausgesetzt: Zu einer allgemeinen Aufregung mischen sich Stress und Nervosität, zum Beispiel vor bevorstehenden Operationen oder Behandlungen. Wer hingegen ein Konzertgelände oder ein Spa betritt, befindet sich wohl eher in vorfreudiger Erwartung.

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Denken aus Sicht der Zielgruppe
Je nach Zielgruppe gilt es sowohl körperliche als auch kognitive Beeinträchtigungen mitzudenken. Besonders in der demenzsensiblen Gestaltung und der Berücksichtigung von Sehbeeinträchtigungen gibt es hinsichtlich gestalterischer Aspekte viel zu beachten: Eine klare Systematik verhindert einen Informationsüberfluss und wirkt Überforderungen entgegen.

Die Phasen der Leitsystem-Entwicklung

1) Analyse & Ableitung

Zu Beginn verschaffen wir uns ein Bild vor Ort und führen eine gründliche Analyse durch. Im Idealfall findet vorab ein Kick-Off-Workshop mit allen Beteiligten statt, bei dem wir Wünsche und Anforderungen an das Endprodukt klären. Hilfreich sind auch eine gute Fotodokumentation und Befragungen der jeweiligen NutzerInnengruppen. Wenn es noch kein Gebäude gibt, analysieren wir die Pläne und stimmen uns intensiv mit dem Nutzer über die geplanten BesucherInnenflüssen ab.

Auf Basis unserer Analyse leiten wir einen Maßnahmenkatalog ab und halten unsere Empfehlungen fest. Wir definieren Knotenpunkte und Hierarchien, die vor allem die Personenflüsse bestmöglich unterstützen. Alle Erkenntnisse fließen anschließend in die Konzeption mit ein.

Die Ausgangssituation im Gebäude/am Gelände:

  • Gibt es schon ein Leitsystem oder handelt es sich um einen Neubau?
  • Unterteilung des Areals: Gibt es mehrere Gebäude/Geschosse/Bauteile?
  • Welche Haupt- und Nebenziele gibt es?
  • Wie viele Endpunkte gibt es und wohin wird geführt (Empfang/Abteilung/Raum)?
  • Wie ist die Wegeführung? Kann man durch alle Bereiche gehen oder gibt es Gänge und Räume, die nur für das Personal vorgesehen sind?
  • Wo sind wichtige Kontakt- und Verteilerpunkte sowie Fluchtwege
  • Raum- und Wandsituation: Wo kann und darf montiert werden?
  • Wie steht es um Denkmalschutz?
  • Sind besondere Sicherheitsauflagen, Normen und Hygienerichtlinien zu beachten?
  • Wie oft werden sich Bezeichnungen/Inhalte voraussichtlich ändern?
  • Ist das Gebäude/Gelände barrierefrei zugänglich?

2) Entwicklung des Kreativkonzepts: Visualität & Materialität

Aus gestalterischer Perspektive sehen wir das Leitsystem in den meisten Fällen als Ergänzung der Architektur und als Weiterführung der Marke. Die baulichen Bausteine fügen sich nahtlos und unaufdringlich in die Architektur ein, die Gestaltung führt das Erscheinungsbild der Einrichtung im Raum weiter. Ausnahmen bestätigen die Regel: Es gibt natürlich auch Projekte, wo bewusst ein möglichst starker Kontrast zwischen Leitsystem und Architektur gesetzt wird.  

Besonderen Wert legen wir in jedem Fall auf die Art der Fertigung – hochwertige Materialien und modulare Elemente ermöglichen auch zukünftig flexible und kostengünstige Aktualisierungen. Genauso wichtig bei der Gestaltung sind die Gewährleistung von Barrierefreiheit und die Berücksichtigung etwaiger Beeinträchtigungen der BesucherInnen.

Farben:

  • Klar benennbare Farben (azur/himmelblau vs. hell-/dunkelblau)
  • Gute Kontraste untereinander sowie zu Schriften, grafischen Elementen und Icons
  • Sehschwächen berücksichtigen: Ausreichend Kontraste, Rot-/Grünblindheit, Farbsehen im Alter

Schriften/Typografie:

  • Gut lesbar
  • Hohe X-Höhe
  • Aus der Ferne gut erkennbar
  • Klare Buchstaben
  • Sachlich reduziert

Wording:

  • Klare Bezeichnungen
  • Eindeutige Hierarchien
  • Verständliche Nummern-Systematik

Icons/Grafische Elemente:

  • Einfache Symbole
  • Guter Kontrast zum Untergrund
  • Universell einsetzbar (unabhängig von Größe)
  • Je nach Einsatz universell verständlich (Kultur-/Sprachraum)

Material:

  • Langlebige Oberflächen
  • Kratzfest
  • Leicht zu reinigen
  • Wenig Reflexion

3) Feinkonzeption & Detailplanung

Nach erfolgreicher Konzeption, Entwurf und Auswahl der gestalterischen Kriterien beginnt die Detailarbeit, bevor es schlussendlich an die Umsetzung des Leitsystems geht: Das Wording wird für alle relevanten Bereiche und Ziele festgelegt, die Beschriftungen werden definiert.

Anschließend folgen erste Testaufbauten, laufende Abstimmungen mit den ProduzentInnen und die grafische Umsetzung inklusive Freigabeprozess. Auch in der Produktion und während der Montage begleiten wir unsere Projekte.

4) Grafische Umsetzung

Ein Leit- & Orientierungssystem besteht oftmals aus zahlreichen Bausteinen, die textlich und grafisch umgesetzt werden. Um den Überblick zu bewahren, arbeiten wir mit Übersichtslisten und erstellen ein Manual mit den wichtigsten Infos zur jeweiligen Komponente. Mit der Bearbeitung der einzelnen Elemente wächst das Manual mit.

Wenn die Elemente von den NutzerInnen freigegeben wurden, bereiten wir die Layouts für die Produktion auf. Je nach Produktionsverfahren ist hier der Prozess etwas anders. In der beiliegenden Montageansicht sind auch die wichtigsten Details für die ProduzentInnen festgehalten. 

Für das Leitsystem im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder am Standort Marschallgasse wurden beispielsweise etliche Schildertypen grafisch umgesetzt.

Leitsystem für das Krankenhaus Barmherzige Brüder am Standort Marschallgasse Graz von der Designagentur look! design

5) Qualitätssicherung Produktion & Montage

Zu guter letzt überwachen wir die Produktion der Leitsystem-Elemente und sind – je nach Wunsch – punktuell oder bei allen Elementen bei der Montage vor Ort mit dabei. So können wir die Qualität bestmöglich überwachen und ein hochwertiges Ergebnis sichern.

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+43 / 316 / 83 47 01
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